der bajazzo 2023

jugendtanztheaterballettdortmund

Alle können tanzen – wenn ein Profi wie Justo Moret auf Tanzbegeisterte ab 15 Jahren aus allen Schichten unserer Stadt trifft. Das ist doch einen Preis wert.

Die Laudatio

Können und Müssen

Dortmund, Nordstadt. 2014. Junge Menschen aus allen Schichten und Schattierungen der Dortmunder Bevölkerung präsentieren ihre erste abendfüllende Produktion: „Mittendrin zwischen den Welten“. Der Titel soll für das Ensemble Programm werden. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist groß, das Interesse, Teil dieses partizipativen Projekts an der Schnittstelle von Kultur- und Sozialleben zu werden, wächst stetig. „Jugend“ ist kein biologisches Alter, sondern eine Frage der Einstellung zu sich selbst. Und zur Welt.  

Mittlerweile ist das JugendTanzTheaterBallettDortmund fester Bestandteil des Dortmunder Kulturlebens. Jährlich lässt es mit einer Neuproduktion die Tanzkunst zur Plattform von kultur- und generationenübergreifenden Diskursen werden. Die Zusammenarbeit mit etablierten Einrichtungen der Stadt, Kulturorganisationen und Bildungseinrichtungen erweitern permanent den Wirkungskreis über die Anzahl der Ensemblemitglieder hinaus. 

Der Entstehungsprozess einer Produktion folgt hochprofessionellen Standards. Bis zu vier Intensivproben in der Woche. Über ein Jahr hin. Mit dem Ziel einer Premiere auf der großen Bühne des Opernhauses. Jedes Jahr ein neues Tanzwerk, das sich als Spiegel urbaner Kreativität und sozialer Vielfalt begreifen lässt.

Gründer und Leiter Justo Moret weiß aus eigener tänzerischer Erfahrung, wie beredt die wortlose Ausdruckskunst des Tanzes sein kann. Und wie es Tanz als einzige ­theatrale Darstellungsform vermag, über sprachliche, kulturelle, soziale und demographische ­Demarkationslinien hinweg das Auge zum Ohr und das Herz zum Ballsaal der Gefühle werden zu lassen. 

Die Inspirationsquelle der Produktionen ist die Ruhrmetropole selbst. Sei es die Ausstellung von Nam June Paik im Museum Ostwall, die Anregung war für die neueste Produktion „30 x anders“, seien es die Arbeiten des Dortmunder Bildhauers Bernd Moenikes, die der Tanzproduktion „Die Himmelsgucker“ ihren Namen gaben – das JugendTanzTheater reflektiert die Lebensrealitäten und die Lebensatmosphäre der Dortmunder Bevölkerung. 

Dabei verschanzt sich das Ensemble nicht hinter traditionellen Kunstparametern, an denen kreative Leistung normativ-bewertend messbar ist, sondern bekennt sich zu seiner Diversität, die ohne die geförderte, geforderte und gelebte Individualität der Mitwirkenden Schlagwort bliebe. 

Hier ist Platz, sich den brennenden Fragen der Zeit vor dem eigenen biografischen Hintergrund zu stellen. Hier ist das Forum für die kritische Auseinandersetzung mit Traditionen und Bildungsnormen. Die Choreografie von Goethes „Faust“ mit 73 Jugendlichen hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie kulturelles Erbe zu vitaler Brisanz und Unmittelbarkeit findet, wenn junge Leute persönliche Fragestellungen einbringen.

Besonders wichtig ist für die jungen Menschen die Möglichkeit, mit professionellen Kunstschaffenden in Dialog zu treten. Bei Probenbesuchen tauschen sie sich mit den Ensemble­mitgliedern des Dortmunder Balletts aus. Über Tanztechniken. Über Lebenseinstellungen. Über Berufswege. Ein steter Erfahrungsprozess, der sich in der persönlichen Entwicklung nachhaltig niederschlägt. 

Durch sein Engagement, die Treue zu sich selbst, durch seinen langen Atem hat sich das JugendTanzTheaterBallettDortmund eingeschrieben in das mentale Selbstverständnis der Stadt. Der Komponist Arnold Schönberg hat einmal gesagt: „Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen.“ – Dieses Muss fordert jedem, der sich ihm stellt, viel ab. Es setzt nicht auf Zwang, sondern auf die Bereitschaft junger kreativer Menschen, mehr über sich selbst zu erfahren. Es glaubt an die Fähigkeit des Individuums, sich seinen Platz in dieser Welt zu – erobern? Nein – zu ertanzen!

Info

  • Seit 2008 arbeitet das JugendTanzTheaterBallettDortmund unter der Leitung von Justo Moret mit tanzbegeisterten Menschen und fördert das kreative Gestaltungsbedürfnis der Dortmunder Bevölkerung.
  • Das Ensemble setzt sich aus Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft zusammen. Neben der Kommunikation in der „Weltsprache Tanz“ bietet das partizipatorische Projekt die Möglichkeit, die künstlerische Sprengkraft gemeinschaftlichen Kunstschaffens zu erleben.
  • Kein*e Choreograf*in bestimmt von oben herab, was zu geschehen hat. Alle sind am Entwicklungsprozess gleichermaßen beteiligt.

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