Ungewöhnliche Kulisse, spannende Künstlerstories

Musikhistorisches hinter historischen Fassaden: Zum April-Vortragsabend der Theater- und Konzertfreunde lockte diesmal nicht das Opernhaus-Foyer, denn DORTMUND MUSIK hatte die Konzertfreunde ins Westfalenhaus an der Hansastraße eingeladen – einen beziehungsreichen Ort, war doch „fast genau dort, wo wir heute stehen, auch früher schon ein kleiner Konzertsaal“, betonte Stephan Prophet, Chef von DORTMUND MUSIK, bei seiner Begrüßung. Ein früher Vorläufer von DORTMUND MUSIK, das städtische Konservatorium, hatte in dem Bau seinen Sitz. Dem sieht man heute von außen seine Grundsteinlegung vor rund 100 Jahren nicht mehr an – damals war er einer der ersten Dortmunder Hochhäuser. Heute ist dort unter anderem die Glen Buschmann Jazz Akademie untergebracht, einer der Sparten von DORTMUND MUSIK.

Im Vortrag ging es allerdings nicht um Jazz, sondern um Leben und Leiden von Georg Friedrich Händel und Georges Bizet. Launig und detailreich führte Dr. Horst Luckhaupt, Mediziner und Musikkenner (Foto), durchs Leben des deutschen Barockkomponisten und des französischen Operndramatikers. Dramatisch ging es bei beiden zu, wie die rund 50 Gäste erfuhren, die sich den Abend an neuem Ort nicht entgehen lassen wollten. Allerdings durfte Händel ein längeres und zu Lebzeiten deutlich erfolgreicheres Leben führen als Bizet. Denn den Deutschen, der in England vollends zu einer Art Popstar der Barockmusik wurde, ereilten erst ab 1737 mehrere Schlaganfälle (damals „Lähmungen“ genannt), die seine Sinne beeinträchtigten und ihn zum Schluss fast blind werden ließen. So wurde der Messias zum Kraftakt, weil Lähmungen des Arms ihn am Schreiben hinderten. Bei seinem letztes Oratorium Jephta konnte er die Notenlinien kaum noch sehen. Bis zu seinen Krankheiten allerdings durfte Händel, der nie heiratete, sein Leben in vollen Zügen genießen – in seiner Wahlheimat London war er extrem beliebt und wurde sogar in der Westminster Abbey beigesetzt. So gesehen hatte es sich ausgezahlt, dass er sich als ganz junger Mann doch nicht um die hochangesehene Stelle beim berühmten Lübecker Organisten Dietrich Buxtehude bewarb. Die war mit der Pflicht verbunden, die Tochter Buxtehudes zu ehelichen. Luckhaupt: „Händel fuhr hin – und zog es vor, lieber wieder abzureisen“.

Bizet wurde nicht einmal halb so alt wie Händel, der mit 74 starb. Und dass seine „Carmen“ einmal zu den meistgespielten Opern der Welt zählen würde, hätte er sich wohl kaum träumen lassen, als er bei der Uraufführung 1875 in Paris erleben musste, dass sein Werk beim Publikum und der Kritik durchfiel. Auch seine „Perlenfischer“ wurden seinerzeit kaum gespielt. Dafür musste sich Bizet Zeit seines Lebens mit Mandelentzündungen herumquälen. Komplikationen daraus brachten ihn dann auch um, denn „ein Rachenabszess“, so Luckhaupt, führte nicht nur zu Schwellungen, die ihn fast erstickten, sondern waren Teil einer Infektionskette, die schließlich zum Tod führte. Tragischerweise vier Monate vor der Wiener Aufführung seiner „Carmen“, die der Oper den Durchbruch brachte.

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